Aktuelle Ausstellung

EDMUND KESTING  feat. BERND HAHN

KESTING HAHN INVIT 2017 Kopie

 

Bilder der Ausstellung / Preise bitte auf Anfrage

 

EDMUND KESTING feat. Bernd Hahn –  20.9. bis 5.11.2017

Auszug aus dem Text zur Vernissage am 29.9.2017

Edmund Kesting, durch und durch ein Künstler der Moderne, 1892 geboren, war, als er sich um 1960 in Ahrenshoop mit einem Atelierhaus ansiedelte, schon durch alle Höhen und Tiefen eines Künstlerlebens gegangen. Vieles lag hinter ihm, hatte ihn als Künstler geprägt.

Edmund Kesting

Edmund Kesting „Abendsonne über dem Strand“, Mischtechnik auf Krepppapier, 60er Jahre, 65×70 cm

Und die Jahre bis zu seinem Tod 1970 waren noch einmal angefüllt mit einem intensiven künstlerischen Schaffen.Es entstand ein eigenständiges respektables Spätwerk, welches formal und inhaltlich eine konsequente Forstsetzung des bis dato Geschaffenen war.

1970, dem Todesjahr Kestings, war Bernd Hahn 16 Jahre alt. Man mag es auf den ersten Blick ungewöhnlich finden, Arbeiten von Bernd Hahn im Kontext mit Edmund Kesting in einer Ausstellung zu zeigen. In der Vorbereitung der Ausstellung wurde immer klarer, dass beide Künstler viel mehr verbindet als trennt.

Beide kamen aus Dresden. Das mag nebensächlich erscheinen, aber wer um die Stadt weiß, ihre besonderen Stimmungen, ihre teils eigenartigen Gemütslagen und ihre enge eigenwillige Bindung an die Kunst kennt, könnte da schon ersten Parallelen sehen.

Kesting ging bereits in jungen Jahren seinen Weg als Künstler besonders konsequent und eigenwillig. Sein Studium an der Akademie in Dresden, mündete in der Gründung einer eigenen Malschule „Der Weg“.

Bernd Hahn brach 1978 auf eigenen Wunsch sein Studium an ebendieser Akademie ein Jahr vor dem Diplom aus freien Stücken ab, da er dort für seine künstlerischen Visionen kein Verständnis fand. Ein Schritt, der angesichts des reglementierten „Künstler Sein Dürfens“ in der DDR respektvoll Staunen macht.

War doch dann eine Anerkennung durch den Verband Bildender Künstler, welche wiederum Vorraussetzung für die nötige offizielle Arbeitserlaubnis war, wenn zwar nicht unmöglich, so doch äußerst schwierig.

Ein Jahr nach Abgang von der Akademie wurde Hahn trotzdem in den Verband Bildender Künstler aufgenommen.

Edmund Kesting begegnete in den zwanziger Jahren den damals wichtigen Eliten der europäischen Avantgarde. Zu denen zählte neben Schwitters, Moholy-Nagy, El Lissitzky ohne Zweifel auch Herwarth Walden. Eine der Schlüsselfiguren der avantgardistische Szene Europas .

Edmund Kesting Herwarth Walden 1928 VERKAUFT Holzschnitt auf Bütten 22 x 18,5 cm

Edmund Kesting
Herwarth Walden
1928 VERKAUFT
Holzschnitt auf Bütten
22 x 18,5 cm

Der auch, am Rande sei es hier bemerkt, den Frauen in der Kunst, den Künstlerinnen, ein Forum gab.

Entge­gen ande­rer Kolle­gen war sich Walden von Anfang an bewusst, dass zu dem Aufbruch in eine neue Kunst­epo­che, und nicht weniger als dass war der Anspruch, auch das Ende der Ausklam­me­rung der Frau als Künst­le­rin gehö­ren musste.

Bereits 1910 erscheint die erste Ausgabe von „Der Sturm“ dessen Herausgeber und Gründer Walden war. 22 Jahre existierte diese Zeitschrift.

Parallel dazu betrieb Walden ab 1912 in Berlin eine Galerie mit gleichem Namen.

Hier stellten sie alle aus: Marc Chagall, Franz Marc, Wasily Kandinsky, Paul Klee, Gabriele Münter, Sonia Delau­nay, Else Lasker-Schü­ler, Mari­anne von Weref­kin und Natalja Gontscha­rowa um nur einige zu nennen und natürlich auch Edmund Kesting.

Dieser riesige brodelnde Pool an Kreativität und Umbruch, wie wir ihn in den zehner, zwanziger Jahren sehen, war einem 1954 in der DDR geborenen Künstler wie Bernd Hahn nicht vergönnt.

Bernd Hahn

Bernd Hahn, o.T.
25.04.1979
Collage
18 x 24 cm

Hier schloß man sich vielmehr zu Gemeinschaften und Künstlergruppen zusammen, die innerhalb in ihrer künstlerischen Ausrichtung zwar völlig divergierten, aber als solidarische Gruppengebilde auch dem noch so staatskunstfernen Kreativen Überleben und Anerkennung wenn auch im kleinen Kreis sicherten.

Diese Existenz muss im Vergleich zu den Gruppierungen aus den zehner und zwanziger Jahren des Zwanzigsten Jahrhunderts natürlich sehr isolatorisch erscheinen und das war sie letzten Endes ja auch.

Aber sie konnte auch Kontinuität und ausreichende Zeitbögen für intensivste Auseinandersetzung bedeuten, so bei Bernd Hahn, der in dieser Zeit mit faszinierender Konsequenz sein künstlerisches Oeuvre entwickelte.

Die Öffnung der Grenzen 1989 war für Hahn natürlich auch noch einmal ein wesentlicher Werkimpuls. Besonders sein Stipendium in Rom in der Villa Massimo im Jahr 1994 setzte zusätzliche Energien frei.

Kestings Werk kann man guten Gewissens als sehr heterogen bezeichnen. Es teilt sich in ganz verschiedene Werk-und Zeitphasen, die aber, im Rückblick, alle miteinander verwoben sind. Heute hier zu sehen ist früheste expressionistische Druckgrafik, verblüffend klassische Malerei aus den dreißiger Jahren, Federzeichnungen, ein expressives Tafelbild in strenger Farbkomposition aus dem Jahr 1919, fast schon ungegenständliche freie, aber noch als Landschaften erkennbare kleinformatigere Blätter, die teilweise als Materialbilder gearbeitet sind.

Für Kesting gab es die Trennung zwischen gegenständlich und abstrakt nicht in der Form, dass er sich in ein bestimmtes Lager eingeordnet hätte.

Sicher hat er in der damaligen Zeit die Arbeiten der Brücke, des Blauen Reiters, der abstrakten Expressionisten, der DADAisten, des Bauhauses und natürlich der De Stijl Bewegung zur Kenntnis genommen und hat Elemente davon mit in seine Arbeitsprozesse einfließen lassen.

Bernd Hahns Oeuvre zeichnet dagegen eine konsequent ungegenständliche Haltung aus.

Bernd Hahn

Bernd Hahn
o. T.
2001
Öl, Acryl auf Leinwand
24 x 30 cm

Man könnte seine Kunst durchaus als konkret bezeichnen, aber das würde in seinem Fall zu kurz greifen. Vielmehr wage ich mal die These, dass es Bernd Hahn gelungen ist, Sinnlichkeit und Gegenstandslosigkeit zu vereinen, so dass seinen Arbeiten auch immer ein interpretatorischer Hallraum anzuhängen scheint.

Kestings Arbeit als Fotograf, dieses Genre haben wir aus Platzgründen auf eine in Zukunft nachkommende Ausstellung verschoben, nimmt einen wesentlichen Platz in seinem Werk ein. Auch hier experimentiert der Künstler bis hin zu einer Art fotochemischer Malerei, die das Motiv auf dem Foto, genau wie seine sich später auflösenden Landschaften in der Malerei, verschwinden lassen.

Auch Bernd Hahn hat künstlerisch fotografiert, im Besonderen mit simplen Gegenständen arrangierte Stillleben. Diese Facette seiner Arbeit ist wie bei Kesting eine Wesentliche, schafft er es doch auch hier, seine Vorstellung von Raum und Form und deren Energien adäquat zu seinem malerischen Schaffen zu realisieren.

Edmund Kesting

Edmund Kesting „Dornenkrone“ Öl auf Malkarton, 1920, 29,3 x 49,8 cm

Diese Ausstellung vereint zwei künstlerische Positionen, die zum einen erhellend konträr sind, und zum anderen verblüffende Parallelen aufweisen. Vor allem werden hier zwei Haltung deutlich, die ihren Ausgangspunkt in der Suche nach intellektueller wie sprachlicher Klarheit, in der Suche nach lebendigem Ausdruck haben. Und es sind zwei Positionen, die unkorrumpiert, vital und konsequent, den sprichwörtlichen Zeitgeist außen vor lassen und dadurch keinen Millimeter ihrer künstlerischen Relevanz für uns Heutige einbüßen.

R.D.