Aktuelle Ausstellung

Logo 125 Jahre farbig neu web

Anläßlich des Jubiläums zu
125 Jahre Künstlerkolonie Ahrenshoop

Vom Saalestrand zum Hohen Ufer

The Grand Tour macht Station in Ahrenshoop anläßlich 125 Jahre Künstlerkolonie.

RÜDIGER GIEBLER & MORITZ GÖTZE

Rüdiger Giebler

Rüdiger Giebler Sonnenuntergang oder Der Hund spiegelt sich in der Pfütze 2017 Öl auf Leinwand 100 x 120 cm

Saalestrand und Hohes Ufer 2017 Download Invitation

Ahrenshoop, den 19.8.2017 / Vernissage 19. Uhr – Galerie Alte Schule Ahrenshoop

Sehr verehrte Damen und Herren, liebe Freunde der Kunst

„Saalestrand und Hohes Ufer“

Moritz Götze und Rüdiger Giebler machen Station auf ihrer GRANDTOUR, die man gut und gern als Welttournee bezeichnen kann.

Führt sie die GRANDTOUR doch einmal um den ganzen Erdball, England, Australien, Neuseeland, Indien…

Beide Künstler sehen sich bei dieser kräftezehrenden Tournee als Kunstbotschafter in besonderem Auftrag. Dabei scheuen sie keine Mühen, ihre Kunst und ihre Botschaft in die Metropolen der Welt, aber auch in noch so abgelegene Winkel der Erde zu bringen.

Ihre Kraft dafür ziehen sie aus ihrer langjährigen Freundschaft

Hinzu kommt ein bis heute anhaltender Respekt und eine ganz besondere Wertschätzung dem jeweiligen Werk des Anderen gegenüber.

Rüdiger Giebler

Aber da ist noch etwas Anderes. Fast Größeres.

Was die beiden noch einmal bewogen hat, an den Toren der kulturellen Welt zu rütteln.

Und sei es nur mit dem Werkzeug des Malers, mit einem Pinsel in der Hand.

Da ist nämlich dieser Schmerz, diese Fehlstelle, diese Ungerechtigkeit der Geschichte, die beide Künstler empfinden und die in so krassem Widerspruch zur eigenen Wahrnehmung, Liebe, Hingabe und Begeisterung steht, dass sie gar nicht wissen, wo man anfangen soll, um die Dinge wieder in die Angeln zu heben, die Dinge wieder ins rechte Licht zu rücken.

Beide Künstler kommen aus einem Bundesland, welches, wenn nicht als die Wiege der Menschheit, so doch aber als die/eine Wiege der deutschen Kultur angesehen werden muss.

Angefangen bei Luther, über die Aufklärung bis zum Bauhaus und wenn man die Himmelsscheibe von Nebra noch mit in Betracht zieht, macht diese kulturelle Übermacht fast Angst… aber Sachsen Anhalt ist in der republikweiten Wahrnehmung, gerade was seine Kultur betrifft eher auf den hinteren Plätzen.

Und das muss sich ändern, sagen die Beiden.

Deshalb raus in die Welt!

Moritz Götze

Moritz Götze

Und Ahrenshoop? Was führt die beiden jetzt und heute hierher? Warum machen die beiden Künstler in diesem kleinen, abgelegenen, kaum bekannten Fischerdorf Station?

Da gibt es noch einen wichtigen Grund!

Und den finden wir, gut verborgen, im Titel der Ausstellung.

„Saalestrand und Hohes Ufer“ imaginiert eine „Together Idylle“,

imaginiert eine symbiotische Liebesbeziehung zweier Landschaften,

Moritz Götze

Moritz Götze

Aber:

Der etwas prosaische Titel „Saalestrand und Hohes Ufer“ kaschiert ein Drama, kaschiert den Untergang einer blühenden, erfindungsreichen, innovativen, engagierten und zutiefst sinnlichen Malerei!

Kaschiert das Scheitern einer ganzen Generation von Künstlern – vielleicht nicht an Ahrenshoop – aber ganz sicher an einem System.

Was ist geschehen?

Wir schreiben das Jahr 1951.

Eine äußerst folgenschwere Begegnung findet in Ahrenshoop statt – zwischen

Ullrich Knispel – Lehrer und Leiter des Grundkurses an der Kunsthochschule Burg Giebichenstein in Halle und wichtiger Hallenser Maler und

Wilhelm Girnus – Redakteur des Neuen Deutschland.

Folgenschwer erst für Knispel, und dann, man mag es aus heutiger Sicht kaum glauben, folgenschwer für die gesamte bildende Kunst an der Kunsthochschule Burg Giebichenstein und so auch Halle und somit der ganzen Region.

Girnus, urlaubend in Ahrenshoop, sah sich die Ausstellung im Kunstkaten/Bunte Stube an, die Knispel mit den Studenten seines Grundkurses nach einer Woche Aufenthalt veranstaltete.

Verbal und dann in einem Leserbrief an das ND äußerte er sich zu dieser Ausstellung

„Amerikanische Fäulnisideologie, dekadenter Dreck des Westens – und kam zu dem Fazit : Lebensfeindliche Kunstdiktatur in Giebichenstein“.

Was durch diesen Betonkopf Girnus losgetreten wurde, mitten im aufflammenden Formalismusstreit, war enorm.

Knispel wurde entlassen, Arbeiten beschlagnahmt und einer Verhaftung konnte er sich nur durch Flucht in den Westen entziehen.

Knispel war nur der Anfang einer aufgesprengten Hallenser Malerelite.

Bis Ende der fünfziger Jahre hatten so gut wie alle wichtigen Künstler die Burg, die Stadt, das Land verlassen. Bachmann, Bunge, Kitzel, Seidel u.a. – man kann von einem regelrechten Aderlass sprechen.

Eine künstlerische Brache blieb zurück, die auch solche Einzelkämpfer wie der jüngere Otto Möhwaldt oder Wasja Götze nicht wieder beleben konnten.

Rüdiger Giebler

Rüdiger Giebler

Heute, 66 Jahre danach, tauchen zwei Männer, tauchen diese zwei Künstler (in den besten Jahren) auf, um genau dagegen anzumalen, diesen Graben zwischen Ahrenshoop und Halle wieder zuzuschütten, Brücken zu bauen, Zeichen zu setzen dafür, dass die Malerei in Halle wieder jene visuell innovative und verbindende Kraft und Vision hat, für die sie damals stand.

Weit sichtbar und strahlend bis hier herauf in den Norden.

Beide Maler reichen dem kleinen Fischerdorf die künstlerische Hand, und zeigen heute aktuellste Arbeiten, welche durchzogen sind von kritisch – romantischer Versöhnung und Hommage.

So sind Gieblers neueste Arbeiten wie „Kind und Bagger“, „Sandburg“, „Orangenpflücker“ und „Sonnenuntergang“ von einer ungeheuren Vitalität und Erzählkraft.

Er verschmilzt Klischees mit selbst Beobachtetem und selbst Erlebtem zu einem malerischen Furor, der den Strandbildern der oben genannten Hallenser ebenbürtig und deren Fortsetzung in anderer Zeit ist. In dieser Malerei findet sich eine Welt der Brüche, der intelligenten Verkürzung, besser Abstrahierung, von menschlichen Innen – und Außenverhältnissen.

„Traktorist und Mutter“ „Die Zeichen“ oder „Liegend“ sind, als Emaillen in runder Form gearbeitet, Extrakte des Malerischen. Unsentimental und doch das Leben empathisch atmend.

Moritz Götzes Arbeiten zäumen das Pferd aus der genau anderen Richtung auf. Seine aktuellen Gemälde, Zeichnungen und Emaillen sind als Hommage auf die künstlerische Tradition und Vergangenheit der ehemaligen Künstlerkolonie zu lesen.

Rüdiger Giebler

Rüdiger Giebler

Wir finden oben genannten Ulrich Knispel wieder, aber auch seinen Kollegen Hermann Bachmann, sowie Hedwig Woermann, Wolfgang Mattheuer, Dora Koch Stetter, selbst Schinkel – mit seiner Allegorie auf Wilhelm Beuth, den Pegasus reitend aus dem Jahr 1837, hat Götze über unserer Steilküste verortet.

Seine ikonographischen Popinterpretationen, die das Narrative der Vorlage um das Heute in Sprache und Ausdruck erweitern, sind auch immer ein Versuch des Festhaltens persönlicher Interaktionen die der Mensch Götze als Rezipient mit dem jeweiligen Werk hatte, sowie die Erinnerung der gesellschaftlichen wie privaten Umstände im Moment des Erlebens.

Hinzu kommt ein sehr ausgeprägtes geschichtliches Bewusstsein und die Erkenntnis des Künstlers, das alles und jedes mit einander verbunden ist und in Wirkung zueinandersteht.

So ist auch die Rolle Ahrenshoop´s am Niedergang der Hallenser Malerei nach 1945 ein Ereignis, dessen Spuren bis heute sicht- und spürbar sind. Gern wird das schicksalhafte Ereignis wieder und wieder erzählt, so wie heute, und es ist unbestreitbar ein geschichtlicher Markstein in der jüngeren Geschichte der ehemaligen Künstlerkolonie Ahrenshoop.

Moritz Götze und Rüdiger Giebler wir danken euch für ein fast schon selbst verzehrendes künstlerische Engagement weltweit und natürlich für das unablässige Engagement in Sachen Versöhnung zwischen unserem kleinen Künstlerdorf an der Ostsee und der Stadt Halle an der Saale.

Vielen Dank für Ihre Aufmerksamkeit!

RD