Aktuelle Ausstellung

Gerhard Marcks und Bauhausfreunde

Ausstellungsdauer vom 25.6. – 14.8.2022

130 Jahre Künstlerkolonie Ahrenshoop und 90 Jahre Atelier Gerhard Marcks in Niehagen/Ahrenshoop

Anläßlich 130 Jahre Künstlerkolonie Ahrenshoop und 90 Jahre Atelier Gerhard Marcks in Niehagen/Ahrenshoop zeigt die Galerie in Kooperation mit privaten Leihgebern aus Deutschland, den USA und in Zusammenarbeit mit öffentlichen Institutionen wie dem Gerhard-Marcks-Haus Bremen und der Stiftung Bauhaus Dessau eine Ausstellung mit Arbeiten von Gerhard Marcks, Lyonel Feininger, Oskar Schlemmer, T. Lux Feininger, Johannes Itten, Georg Muche u. a.

„Gerhard Marcks und seine Bauhaus-Freunde“ ist ein lebendiges Thema mit zahlreichen Themenfeldern, die wir in dieser kleinen Schau selbstverständlich nicht erschöpfend behandeln wollen (und können). Was wir aber wollen, ist auf einen Künstler aufmerksam machen, der in seiner Epoche vieles bewegt, viele beeinflusst, viel erreicht hat.
Seine Berufung an das Bauhaus in Weimar durch Walter Gropius im Jahr 1919 war für ihn als noch junger Künstler eine Herausforderung. Er fand dort Freunde wie Feininger, Krehan, Driesch, Schlemmer und Gilles und manche wurden auch Freunde fürs Leben.
In der Ausstellung gibt es eine kleine Auswahl an Briefen, Karten, Fotos, Skizzenbüchern, Ausstellungsankündigungen, die die damalige Zeit noch lebendiger werden lassen.
An Gerhard Marcks muss immer wieder erinnert werden, denn seine Kunst ist eine stille, beobachtende, unbestechliche. Als Künstler klaren moralischen Prinzipien folgend, erkennt er im Menschen die Welt. In dieser Ausstellung ist die Bronze, „Haarkämmende“ zu sehen. Modelliert in dem kleinen Niehäger Atelier im Jahr 1944. Welche Kontemplation, Selbstvergessenheit, Schönheit, Schlichtheit und Körperspannung formen da seine Hände in einer Zeit, in der die Welt gerade in Flammen steht!
Uns erwarten Bronzen und grafische Arbeiten von Gerhard Marcks, Zeichnungen und Holzschnitte von Lyonel Feininger, Aquarelle von T. Lux Feininger, Grafiken und Zeichnungen seiner Freunde und Bauhauskollegen Driesch, Schlemmer, Itten, Muche, Wagenfeld, Röhl u. a.
Ein „Ausreißer“ ist in der Ausstellung der „Kopfweidenweg im Winter“. Gemalt von Mathilde von Freytag-Loringhoven, die, aus der Weimarer Malschule kommend, in ihrer strikten, fast schon an Besessenheit grenzenden Ablehnung des Bauhauses, ein Beispiel für den vom Bauhaus radikal erzeugten Kultur-Schock bei den traditionellen Künstlern und deren Anhängern war.
Wir danken der Sammlung Freese, dem Gerhard-Marcks-Haus Bremen, der Stiftung Bauhaus Dessau, Moeller Fine Art New York, dem Gerhard Marcks Künstlerhaus Ahrenshoop sowie weiteren privaten Leihgebern.
Robert Dämmig im Juni 2022

 

 (Kurz-)Biografien der ausgestellten Künstler 

Gerhard Marcks, Haarkämmende, 1944
Bronze, 41 x 12 x 10,5 cm

Gerhard Marcks (1889 Berlin – 1981 Burgbrohl)

Ab 1907 wendet sich Marcks autodidaktisch der Bildhauerei zu. Zwischen 1908 und 1912 bildet er mit dem Bildhauer Richard Scheibe in Berlin eine Ateliergemeinschaft. Nach dem Kriegsdienst ist er für die Steingutfabriken Velten-Vordamm und die Staatliche Porzellan-Manufaktur Meissen tätig. 1918 wird er von Bruno Paul als Lehrer der Bildhauerklasse an die Staatliche Kunstgewerbeschule Berlin berufen. 1919 folgt er dem Ruf von Walter Gropius an das Staatliche Bauhaus in Weimar, wo er künstlerischer Leiter der Keramischen Werkstatt wird. Gemeinsam mit dem Töpfermeister Max Krehan beginnt er mit dem Aufbau einer Werkstatt in Dornburg. Während seiner Bauhauszeit entstehen zahlreiche Töpferwaren und Holzschnitte. 1924 verlässt Marcks das Bauhaus und wird Leiter der Bildhauerklasse an der Kunstgewerbeschule Burg Giebichenstein. Zwischen 1928 und 1933 ist er stellvertretender Direktor des Hallenser Kunstinstituts. Während der Zeit des Nationalsozialismus wird Marcks seines Postens enthoben und aus dem Hochschuldienst entlassen. 1937 wird seine Kunst für „entartet“ erklärt und zahlreiche Werke beschlagnahmt. 1939 baut er sich ein eigenes Atelierhaus in Berlin auf. Nach Kriegsende nimmt er verschiedene Lehraufträge an. 1950 beendet er seine Lehrtätigkeit und lässt sich als freier Bildhauer in Köln nieder.

Marcks erwarb 1930 in Niehagen auf dem Fischland, ein Haus, in das er sich 1933, nach der Entlassung aus seinem Amt als Professor an der Kunstgewerbeschule Burg Giebichenstein zurückzog. Er lebte dort während der Kriegsjahre bis 1946/47 und pflegte eine enge Freundschaft mit Alfred Partikel.

 

Lyonel Feininger, Villa am Strande III, 1918, Holzschnitt, 13 x 17,5 cm

Lyonel Feininger (1871 – New York – 1956)

1919 beruft Walter Gropius Feininger als einen der ersten Meister ans Bauhaus. Sein Holzschnitt „Kathedrale“ ziert das Titelblatt des Bauhaus-Manifests; die erste Veröffentlichung des Bauhauses ist 1921 eine Mappe mit 12 seiner Holzschnitte. Von 1919 bis 1925 wirkt er als Formmeister der Druckerei. Als Meister ohne Lehrverpflichtungen zieht er 1926 mit dem Bauhaus nach Dessau. Nach einer Durchsuchung durch die Nazis 1933 verlässt Feininger Dessau, 1935 wird seine Kunst als „entartet“ diffamiert. 1937 emigriert er nach New York. Feininger besuchte zwischen 1891 und 1935 in den Sommermonaten mehrfach das Fischland und die pommersche Ostseeküste.

 

Johannes Itten, Haus des weißen Mannes, 1921, Lithografie, 29 x 25 cm

Johannes Itten (1888 Wachseldorn – 1967 Zürich)

1919 wurde Itten als erster Lehrer von Walter Gropius an das Staatliche Bauhaus in Weimar berufen. Mit dem von ihm aufgebauten Vorkurs, wird er eine zentrale Figur des frühen Bauhauses. Während seiner Bauhauszeit entwickelte Itten außerdem die Farbtypenlehre. Sein besonderes Interesse lag dabei auf dem Zusammenwirken von Form und Farbe.

 

Oskar Schlemmer, Kopf im Profil mit schwarzer Kontur, 1928, Lithografie, 20 x 14 cm

 

Oskar Schlemmer (1888 Stuttgart – 1943 Baden-Baden)

Nach seiner Berufung ans Weimarer Bauhaus 1920, wurde Schlemmer zunächst die Leitung der Werkstätten für Wandbildmalerei und Bildhauerei übertragen. Nach der Übersiedelung des Bauhauses nach Dessau im Jahr 1925 übernahm Schlemmer auch die Abteilung Bauhausbühne als Leiter. In dieser Zeit entstanden Schlemmers Bauhaustänze, in denen jeweils ein bestimmtes Material und seine szenischen Möglichkeiten dargestellt wurden. Das Triadisches Ballett zählt zu seinen bekanntesten Werken.

 

 

Theodore Lux Feininger, Segelschiff mit gelb-orangen Segeln, um 1932/33, Graphitstift, Tusche, Wasserfarben, 31,5 x 48,5 cm

T. Lux Feininger (1910 Berlin – 2011 Cambridge/USA)

Der jüngste Sohn von Lyonel Feininger studierte zunächst Bühnenbild bei Oskar Schlemmer am Bauhaus in Dessau. Später begann er, sich für Fotografie zu interessieren und wandte sich 1930 schließlich der Malerei zu. 1936 emigrierte der Künstler nach New York. Mit seinem Vater verband ihn die Faszination für Schiffe. Neben der Malerei war er schriftstellerisch und als Lehrer in New York, Harvard und Boston tätig.

 

Karl Peter Röhl, Konstruktion (kreisend zum Turm), 1920, Tusche auf Papier, 43,2 x 30 cm

Karl Peter Röhl (1890 – Kiel – 1975)

Röhl gehörte 1919 zu den ersten Studierenden des neugegründeten Bauhauses in Weimar, wo er unter anderem Schüler bei Johannes Itten war. 1922 fand in seinem Atelier der Weimarer Kurs des De-Stijl-Mitbegründers Theo van Doesburg statt, der zur Neuorientierung des Bauhauses beitrug. Neben seiner Beschäftigung mit dem Expressionismus und dem Dadaismus setzte Röhl sich stark mit den konstruktivistischen Ausdrucksformen auseinander.

 

 

 

Wassily Kandinsky, Grundelemente, 1923, Lithografie, 23,2 x 23,2 cm

Wassily Kandinsky (1866 Moskau – 1944 Neuilly-sur-Seine)

Kandinsky folgte dem Ruf von Walter Gropius und nahm 1922 eine Lehrtätigkeit an der Werkstatt für Wandmalerei am Bauhaus in Weimar auf. Er beschäftigte sich mit dem Aufbau analytischer Methoden im künstlerischen Schaffen sowie der Systematisierung und Ordnung bildnerischer Mittel. 1924 gründete er mit Lyonel Feininger, Paul Klee und Alexej von Jawlensky die Künstlergruppe „Die Blaue Vier“, welche Ausstellungen im Umfeld des Bauhauses organisierte. Nach der Schließung des Bauhauses 1933 emigrierte Kandinsky nach Frankreich.

 

Georg Muche, Hand und Herz, 1921, Radierung, 15 x 13,5 cm

Georg Muche (1895 Querfurt – 1987 Lindau)

Muche wurde 1920 als jüngster Meister an das Bauhaus in Weimar berufen. Gemeinsam mit Itten leitete er den Vorkurs. Außerdem war er Formmeister der Webereiklasse. Muche leitete den Ausschuss für die Bauhaus-Ausstellung 1923, welche der erste öffentliche Auftritt des Bauhauses war. Idee und Konzept des dabei präsentierten „Musterhaus am Horn“ stammten von ihm. Muche gehörte zu den führenden Vertretern der Architektengruppe am Bauhaus.

 

Johannes Driesch, Mutter und Kind II, 1923, Radierung, 12,2 x 10,6 cm

Johannes Driesch (1901 Krefeld – 1930 Erfurt)

Der gelernte Steinmetz Driesch studierte ab 1919 am Weimarer Bauhaus unter anderem bei Johannes Itten und Lyonel Feininger. 1920 begann er eine Lehre bei Töpfermeister Max Krehan und Formlehrer Gerhard Marcks. Zwei Jahre später gab er die Töpferei zugunsten der Malerei auf. 1927 wendete er sich von den Lehren des Bauhauses ab.

 

Max Krehan in Dornburg (Bildquelle: Archiv Sammlung Freese)

 

 

Max Krehan (1875 – Dornburg – 1925)

Die Töpferei Krehan im 30 km von Weimar entfernten Dornburg wurde 1920 zur Keramikwerkstatt des Bauhauses. Geleitet wurde sie vom Bildhauer und Formmeister Gerhard Marcks, Werkmeister war der Töpfermeister Max Krehan. Zu den bedeutendsten Schülern zählen u. a. Theodor Bogler, Otto Lindig, Marguerite Friedländer, Johannes Driesch und Franz Rudolf Wildenhain. Mit dem Umzug des Bauhauses nach Dessau 1925 bestand die Bauhaus-Keramikwerkstatt nicht weiter fort.

 

Gerhard Marcks, Porträt Marguerite Friedlaender-Wildenhain, 1952, Bronze, 25 x 13 x 22 cm

Marguerite Friedlaender (1896 – Écully b. Lyon – 1985 Guerneville/USA)

Nach einer Lehre in der Bauhaus-Keramikwerkstatt Dornburg von 1919 bis 1922 unter Formmeister Gerhard Marcks und Werkmeister Max Krehan, arbeitete Friedlaender dort als Gesellin. Als die Keramikklasse 1925 durch den Umzug des Bauhauses nach Dessau geschlossen wurde, wechselte sie an die Kunsthochschule Burg Giebichenstein Halle, wo sie als erste weibliche Töpfermeisterin Deutschlands die Keramikabteilung leitete und ein eigenes keramisches Sortiment entwickelte.

 

Wilhelm Wagenfeld, Straßenarbeiter, 1923, Holzschnitt, 19,2 x 21,2 cm

 

 

Wilhelm Wagenfeld (1900 Bremen – 1990 Stuttgart)

Der ausgebildete Zeichner und Silberschmied Wagenfeld beginnt sein Studium am Bauhaus in Weimar 1923. Dort ist er unter anderem Schüler bei Josef Albers, László Moholy-Nagy, Paul Klee und Wassily Kandinsky. In dieser Zeit entwirft er seine berühmte Bauhaus-Leuchte.

 

Werner Gilles, Am Maronti-Strand II, 1957, Aquarell, 32,5 x 45 cm (Lot in der 48. Ahrenshooper Kunstauktion)

Werner Gilles (1894 Rheydt – 1961 Essen)

Gilles studierte zunächst bei Walther Klemm an der Akademie in Weimar, bevor er an das neugegründete Bauhaus wechselte, Schüler von Lyonel Feininger wurde und sich mit den Künstlern Gerhard Marcks und Oskar Schlemmer anfreundete. Als freischaffend tätiger Künstler unternahm Gilles zahlreiche Reisen in Europa. 1933 bis 1935 verbrachte er einen Ostseeaufenthalt in Born/Darß. Ab 1951 lebte er im Winter in München, im Sommer auf Ischia.

 

 

Rudolf Baschant, Wasserpflanze mit Burg, 1921, Radierung, 14,3 x 12,6 cm

Rudolf Baschant (1897 Salzburg – 1955 Linz)

Von 1921 bis 1924 studierte Baschant am Bauhaus in Weimar unter Paul Klee, Wassily Kandinsky und in der Druckwerkstatt bei Lyonel Feininger. Sein Werk ist geprägt von einer großen Naturliebe. Neben seiner künstlerischen Tätigkeit, war er auch als Botaniker tätig.

 

 

Kurt Löwengard, Kirche in Mellingen, 1920, Linolschnitt, 19,5 x 13,8 cm

Kurt Löwengard (1895 Hamburg – 1940 London)

Als Studierender am Bauhaus in Weimar erhielt Löwengard von 1919 bis 1920 u. a. Unterricht von Walter Klemm und Lyonel Feininger. Danach unternahm er ausgedehnte Studienreisen durch Spanien und Frankreich, bis er sich 1922 als freischaffender Künstler in Hamburg niederließ.

 

 

 

 

Else Mögelin, Web-Entwurf zu einem Gobelin, 1960, Aquarell,
10,5 x 15,2 cm

Else Mögelin (1887 Berlin – 1982 Kiel)

Mögelin begann ihre Ausbildung am Weimarer Bauhaus 1919. Zunächst besuchte sie die Malklasse von Paul Klee. Im Jahr darauf war sie in der Keramikwerkstatt Dornburg bei Gerhard Marcks, 1921 bis 1923 arbeitete sie in der Weberei. Danach richtete sie in Gildenhall eine eigene Textilwerkstatt ein.

 

Rudolf Riege, Der Trommler, 1919, Holzschnitt, 28,3 x 22 cm

Rudolf Riege (1892 – Hameln – 1959)

Riege studierte von 1919 bis 1920 am Bauhaus in Weimar, wo er den Vorkurs und die Aktklasse von Johannes Itten besuchte und Meisterschüler für Druckgrafik bei Walther Klemm war. Als Grafiker widmete er sich vor allem dem Holzschnitt und schuf zahlreiche Buchillustrationen.

 

Walter Dexel (1890 München – 1973 Braunschweig)

Als Ausstellungsleiter des Kunstvereins Jena hatte Dexel Kontakt zu den Vertretern der modernen europäischen Kunst, u. a. mit den Künstlern des Weimarer Bauhauses. Er organisierte Dada-Abende sowie Ausstellungen mit Expressionisten, Bauhaus-Künstlern und Konstuktivisten. Außerdem arbeitete als Typograf und Werbegestalter sowie als Innenarchitekt und Bühnenbildner.

Walter Dexel, Karte zur Gerhard-Marcks-Ausstellung, Kunstverein Jena, 1927, 10,5 x 14,8 cm