Ostseezeitung – 5. Ahrenshooper Winterauktion

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Auktion in Ahrenshoop

Von Stefanie Büssing

Pandemiebedingt findet das Format am 30. Dezember ohne Publikum statt: Interessierte können jedoch vorab Gebote abgeben sowie im Netz und telefonisch mitbieten.

Hat mit 12 500 Euro das höchste Einstiegsgebot: „Stillleben mit Hyazinthen“ (Öl, um 1923), Rudolf Bartels (1872 – 1943).

Eigentlich sollte es nur eine einmalige Sache werden: Nun geht die Ahrenshooper Winterauktion am 30. Dezember in die fünfte Auflage: Damit ist das Format, das 2017 zum 125-jährigen Jubiläum der Ahrenshooper Künstlerkolonie lediglich als einmaliges Event geplant war, inzwischen auf dem besten Weg, zu einer festen Größe im Kunst-und Kulturkalender des kleinen Fischerdorfes zu werden.

Dass sich die kleine „Schwester“ der seit 47 Jahren stattfindenden sommerlichen Kunstauktion nicht verstecken muss, zeigen die steigenden Umsätze: Zwischen 300 000 und 500 000 Euro werden im Sommer jährlich umgesetzt. „Knapp über 300 000 Euro waren es bei der Winterauktion 2020“, freut sich Auktionator Robert Dämmig. Damit hat das Format in kurzer Zeit kräftig aufgeholt. „Die Umsatzzahlen zeigen, dass auch die Winterauktion eine ernstzunehmende Veranstaltung ist und nicht nur im Sommer Hochkaräter eingeliefert werden“, so Dämmig.

Und während in der 1. Ahrenshooper Winterauktion noch ausschließlich kleinformatige Papierarbeiten zum Aufruf kamen, sind es inzwischen „ausgewachsene“ Kunstwerke von teils musealer Qualität und kunsthistorischer Bedeutung. Für das Höchstgebot sorgte 2020 eine Bleistiftzeichnung von Lyonel Feininger (1871-1956): Das gerade einmal elf mal 17,5 Zentimeter messende „Farmhaus auf Rügen“ aus dem Jahr 1904 kam für stolze 22 000 Euro unter den Hammer und war damit das teuerste Werk der 4. Ahrenshooper Winterauktion. Und das, obwohl die Veranstaltung im vergangenen Jahr pandemiebedingt nur als Online-Auktion stattfinden konnte. In anderen Ländern würden bei Online-Auktionen bereits 60 bis 80 Prozent des Umsatzes gemacht, weiß Dämmig.

Auch in Ahrenshoop laufen die Auktionen seit 2019 zusätzlich zur Veranstaltung im Ostseebad als Live-Stream im Netz. „Trotzdem war das Format ohne Publikum für uns völlig neu, aber es hat gut geklappt“, sagt der Auktionator. Auch in diesem Jahr muss Dämmig pandemiebedingt auf die Versteigerung im Netz zurückgreifen. Kurzfristig habe man sich darauf verständigt, obwohl die Auktion eigentlich mit Publikum geplant gewesen sei. „Angesichts der aktuellen Situation hat das aber keinen Sinn“, so Dämmig. Geboten werden kann nun live per Telefon oder übers Internet.

Zu den Höhepunkten in diesem Winter gehört ein seltenes Stillleben des Schwaaner Malers Rudolf Bartels, das den Titel „Stillleben mit Hyazinthen“ trägt und um 1923 entstanden ist. „Über den afrikanischen Kontinent hat es den Weg zurück in die Heimat gefunden“, erzählt der Auktionator. Mit einem Startgebot von 12 500 Euro sei es das Bild mit dem höchsten Einstiegspreis. Insgesamt kommen bei der Winterauktion 127 Arbeiten unter den Hammer.

Auch der Maler Paul Müller-Kaempff, Gründer der Ahrenshooper Künstlerkolonie, ist gleich mit vier Gemälden vertreten. Das Werk „Ein Frühsommertag“, das um 1900 entstanden ist, hat eine besondere Geschichte: „Eine Rostocker Familie hat es vor mehr als 120 Jahren beim Künstler selbst in Ahrenshoop gekauft. Seitdem war es in Familienbesitz und wechselt am Auktionsabend zum zweiten Mal den Besitzer“, sagt Dämmig. „Oft haben die Bilder schon viele verschiedene Stationen hinter sich, ein Werk in so unberührtem Zustand hat man selten“, freut er sich.

Besonders präsent im Portfolio der diesjährigen Winterauktion ist die Künstlerkolonie Nidden mit Gemälden unter anderem von Carl Knauf, Georg Hermann Gelbke, Friedrich Behrendt, Richard Birnstengel und Erika Freyer-Henkel.

Die Insel Hiddensee ist mit Arbeiten von Elisabeth Büchsel und Clara Arnheim; die Insel Usedom mit einem Gemälde des Malers Otto Niemeyer Holstein und die Insel Rügen mit Arbeiten von Karl Hagemeister, Louis Douzette, Fritz Discher, Paul Kuhfuss, Alexander Rau und Karl Lorenz Rettich vertreten.

Bleistiftzeichnung von Lyonel Feininger (1871 – 1956): „Frau am Landweg, Rügen“, Bleistift auf Papier, 1901

Auch Künstler Lyonel Feininger bereichert im ausklingenden Feininger-Jahr zu seinem 150. Geburtstag gleich mit vier Arbeiten das Auktionsportfolio. Besonders interessant sind dabei eine frühe Bleistiftzeichnung von 1901 mit dem Titel „Frau am Landweg, Rügen“ und die Radierung „Bäume in Graal“ von 1906. „Das ist ein tolles Blatt, was aus dem Nachlass von seinem Sohn aus New York zu uns gekommen ist“, schwärmt Dämmig über Letzteres. „So etwas ist so gut wie gar nicht mehr zu bekommen und mit einem Startgebot von 1000 Euro relativ günstig.“

Weitere Vertreter der Moderne sind die Ahrenshooper Spätkolonialisten Hans Kinder und Edmund Kesting, Hans Brass, Ulrich Knispel, Hermann Bachmann, Gerhard Moll, Carl Lohse und Fritz Keller. Vertreten sind zudem zeitgenössische Künstler, wie unter anderem die 1974 in Anklam geborene Silke Weyer, Max Uhlig, Miriam Vlaming und Klaus Killisch. Anfang Dezember soll der aktuelle Winterkatalog erscheinen, der als Druck -und Onlineversion vorliegen wird. Bis zum 29. Dezember können Interessierte in der Galerie Alte Schule in Ahrenshoop dann alle Werke nach telefonischer Voranmeldung auch im Original besichtigen.

01.12.2021