POINT OF NO RETURN – Wasja Götze, Christine Schlegel, Michael Wirkner, Moritz Götze im Bildermuseum Leipzig zu sehen

POINT OF NO RETURN – Wasja Götze, Christine Schlegel, Michael Wirkner, Moritz Götze im Bildermuseum Leipzig zu sehen

point of no return

Gruppenfoto der zur Vernissage anwesenden Künstler – 22.7.2019

Dreißig Jahre nach ‚1989‘ will das MdbK mit der Ausstellung “Point of No Return” erstmals die Perspektive der bildenden Künste auf Friedliche Revolution, Wende und Umbruch umfassend darstellen. Mehr als 130 Werke von rund 60 KünstlerInnen aller Gattungen werden zeigen, wie diese eigensinnige und von politischen Zeit-rechnungen unabhängige Kunstform in der Vielzahl ihrer Handschriften, Kunstmodelle und Denkarten das Phänomen in Ausdruck und Reflexion kartografiert hat.

Auch wenn die Chronologie der ostdeutschen ‚Selbstbefreiung von unten‘ durch markante und bislang unbekannte Fotografien und Videoarbeiten in der Ausstellung thematisiert wird, stellt “Point of No Return” nicht die zeitgeschichtliche Dramaturgie der Friedlichen Revolution von 1989 ins Zentrum. Vielmehr wird erstmals die unmittelbare Vorgeschichte ebenso einbezogen wie die Transformationszeit nach 1989. “Point of No Return” zeigt die bereits in den 1980er Jahren auffallenden ‚Risse in der Mauer‘ und deren Gründe, thematisiert deren unerwarteten Fall wie die Neudefinition künstlerischen Schaffens nach 1989. Wichtige Werke der künstlerisch-reflexiven Bezugnahme auf die Friedliche Revolution entstanden als Antizipation, Ahnung oder Aktion bereits im Vorfeld des Ereignisses. Andererseits konnten viele gültige künstlerische Positionen erst mit Distanz, Abstand und beobachtetem Wandel gesellschaftlicher Zusammenhänge entstehen.

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Die Kuratoren der Leipziger Schau – Christoph Tannert, Paul Kaiser, Alfred Weidinger – mit dem Künstler Trak Wendisch und dem Galeristen Robert Dämmig

Point of No Return” präsentiert zur Veranschaulichung dieses spannungsvollen Gesamtzusammenhangs Arbeiten von ostdeutschen Künstlern aus drei Generationen, die in der DDR in unterschiedlichen Schulen, Milieus und Szenen wirkten.  Dabei wird das gesamte Spektrum von staatlicherseits herausgehobenen über kritisch-loyale und nonkonforme Positionen bis hin zu offen dissidentischen mit ihren spezifischen Haltungen zu Wende und Umbruch gezeigt. Ebenso werden Arbeiten von KünstlerInnen vertreten sein, die zwar noch in der DDR geboren wurden, aber nicht mehr die Akteurserfahrung im sozialistischen Kunstsystem mit ihren älteren KollegInnen teilen. Viele junge KünstlerInnen stellen sich heute ganz bewusst in den Kontext ostdeutscher Kunstproduktion und greifen Fragen von Herkunft, Tradierung von Eigensinn und Mentalität aber auch von Hegemonie und ‚Kolonialisierung‘ auf.

Quelle: Museum der Bildenden Künste Leipzig 2019