Werke von Hans Christoph – Abstraktion gegen Widerstände in der Galerie Döbele

Werke von Hans ChristophAbstraktion gegen Widerstände in der Galerie Döbele

Die Galerie Döbele lädt derzeit in ihre Räumlichkeiten zu einer Präsentation mit Werken Hans Christophs ein, die vorrangig zwischen 1947 und 1980 entstanden. Zu sehen sind Gemälde, Mischtechniken Aquarelle und Collagen. Der Hauptteil der Arbeiten stammt aus dem Komplex des informellen Schaffens, das besonders die 1960er/70er Jahre prägte.

Dresden

. Hans Christoph (1901–1992) gehörte zu jenen nicht allzu zahlreichen Dresdner Künstlern, die schon relativ früh den Weg zur Abstraktion beschritten. Einen Einblick in sein Schaffen gibt derzeit die Galerie Döbele im Galerieraum in der Schössergasse sowie am Standort Pohlandstraße mit Arbeiten, die vorrangig zwischen 1947 und 1980 entstanden sowie zwei Werken von 1927 beziehungsweise 1931. Zu Lebzeiten mit Ausstellungen nicht verwöhnt, aber auch nicht – mit der Ausnahme der zwölf Jahre Nazi-Diktatur – der Vergessenheit anheim gegeben, gewann das Schaffen von Hans Christoph gerade in jüngerer Zeit wachsende Aufmerksamkeit. Das Museum in Cottbus, die Städtische Galerie Dresden, die einige wichtige Bilder aus den 1920er, frühen 1930er Jahren besitzt, oder das Marburger Projekt „Gegenwelten – Informelle Malerei in der DDR“ seien hier genannt, ebenso das Albertinum, wo sich vier zwischen 1922 und 1932 entstandene Werke sowie eins von 1970 befinden.

Die aktuelle Präsentation in der Schössergasse führt zunächst mit einer Reihe Aquarellen in das Jahr 1947. Die Blatt ausfüllenden Arbeiten zeigen abstrahierte, entpersonalisierte Figurenkonstellationen, etwa bei einem „Tanz am Strand“, wie man sie auch von anderen Künstlern der Moderne aus den 1930er/40er Jahren kennt, während bei der Arbeit „Am Zeitungskiosk“ noch die 1920er Jahre „hindurch scheinen“. Einen weiteren Aspekt bilden farbige, mit leichter Hand geschaffene Zeichnungen aus den 1960er Jahren mit realistischem Touch, die etwa eine Szene „Am Morgen“ nachempfinden.

Den größten Teil der Ausstellung aber nehmen Arbeiten ein, die mehr oder weniger dem Informel beziehungsweise dem abstrakten Expressionismus verpflichtet sind. Anders als Jackson Pollock aber, dessen Werke Christoph zunächst nicht kannte, bediente letzterer sich nicht des Drippings, sondern ließ die Farbe verlaufen. Die Collagen, Mischtechniken und Gouachen sowie Ölmalereien auf Pappe aus der Zeit zwischen 1959 und 1980 zeigen ein durchaus differenziertes, „informelles“ Erscheinungsbild, was nicht zuletzt mit den einbezogenen Materialien zusammenhängt. Manche Arbeiten, etwa Collagen, erscheinen flächiger, andere fast zeichnerisch, wieder andere zeigen eine klassisch „informelle Komposition“ in unterschiedlichen Ausprägungen. Etwas herausfallend, gleichwohl besonders anziehend wirkt das Ölbild „Roter Punkt“ (1974) – ein nächtlich-dunkel gehaltener, etwas geisterhaft erscheinender Bildorganismus, in dem der rote „Punkt“ wie eine Sonne leuchtet, worunter schwarze Figurationen ihr Unwesen treiben, denen wiederum eine weiße „Gischt“, ausgehend vom unteren Bildrand, Einhalt zu gebieten scheint. Weiteres, darunter die Bilder „Hamburg“ (1927) und „Frau mit Katze“ (1931), kann finden, wer sich auf den Weg in die Pohlandstraße macht.

Seinen künstlerischen Weg hatte Christoph in den frühen 1920er Jahren an der Dresdner Kunstgewerbeschule wie so viele bei Carl Rade begonnen. Wichtig wurden aber ebenso Begegnungen mit Erna Lincke, seiner späteren Frau, Arthur Frentzel, Hilde Rakebrand und vor allem Carl Lohse, von dessen Expressivität er sehr angeregt wurde, wie nicht zuletzt frühe Landschaften zeigen. Später sollte er sich noch mit Erhard Hippold befreunden. Eine Studienwanderung mit Lincke an die Nordsee und vor allem nach Holland brachte neue Landschafts- und Kunsterlebnisse. Nach der Rückkehr – es war 1927 und in Dresden hatte Otto Dix seinen Lehrstuhl an der Akademie bezogen – wandelt sich auch die Malweise von Christoph mehr in Richtung der Lasurtechnik. Hatte er sich bisher vor allem der Landschaft und dem Porträt gewidmet, entstehen nun ebenso sozialkritisch orientierte Bilder. Wie viele seiner Künstlerkollegen wird er Mitglied in der „Dresdner Sezession“.

Das Jahr 1933 dann bringt nicht nur einen politischen Bruch. Christophs Kunst ist wohl in einem Veränderungsprozess begriffen: Ab 1933 entstehen erste abstrahierende und abstrakte Arbeiten, von denen allerdings die meisten – wie überhaupt das Meiste des Frühwerks – im Bombenhagel des 13. Februar 1945 verloren gehen. Der Künstler selbst hatte Glück im Unglück: Seinen Kriegsdienst leistete er als Kartograf in Krakau, eine Kriegsgefangenschaft blieb ihm erspart, so dass er schon 1945 bei der von Edmund Kesting initiierten ersten Kunstausstellung nach dem Krieg in Dresden im „Grünen Haus“ dabei sein konnte. Die Beteiligten hatten sich als Künstlergruppe „der ruf“ konstituiert, was aber nicht gut gelitten war und in der Auflösung endete. Später war Christoph noch in der Gruppe „Das Ufer“, der aber auch nur eine kurze Lebensdauer beschieden war. Gleichwohl ist diese Zeit von starker künstlerischer Aktivität geprägt, in die verschiedenste Impulse eingehen – sicher auch durch die Besuche in der Galerie Rosen und der Galerie am Zoo in (West-)Berlin. Am deutlichsten in den frühen Nachkriegswerken sind Einflüsse der Franzosen von Braque bis Picasso zu sehen, aber auch Moore. Weiter traf er auf Werke von Willi Baumeister, Pierre Soulages und Hans Hartung sowie Max Beckmann.

Allerdings hatte Hans Christoph zwischen 1949 und 1955 wenig Zeit für die eigene Entwicklung, lehrte er doch an der Hochschule für Bildende Künste Dresden. Er verließ diese dann, weil er sich die Formalismusvorwürfe nicht mehr antun wollte. Sein Arbeitsfeld, bei dem ihm fortan Helga Knobloch (bis heute Hüterin vieler Werke) schöpferische Begleiterin war, wird für etwa ein Jahrzehnt Werbung und Messegestaltung. In dieser Zeit und vor allem in den Jahrzehnten, die ihm danach noch vergönnt waren, entstehen Werke wie die bei Döbele gezeigten. Informelles kennt man partiell etwa auch von Herbert Kunze und Helmut Schmidt-Kirstein, ebenso Hermann Glöckner oder Wilhelm Müller, wobei die beiden Letzteren dies wohl als Ergänzung zu ihrem konstruktivistischen Schaffen sahen. Hans Christoph ordnet sich mit seinem nicht nachlassenden Experimentierwillen hier ein.

Ausstellung in der Schössergasse 29, verlängert bis 28. März, Di–Sa 12 bis 18 Uhr

www.galerie-doebele.de

Von Lisa Werner-Art