ET IN ARCADIA EGO – Jens Hausmann im Kunstverein Herford

JENS HAUSMANN – Berlin

ET IN ARCADIA EGO

02.03.2019 – 05.05.2019

Der 1964 in Meiningen geborene Künstler lebt und arbeitet heute in Berlin. Trouble in Paradise – der Titel von Ernst Lubitschs Filmklassiker passt gut zu den Gemälden von Jens Hausmann: Die Schönheit dieser eleganten, luxuriösen Villen in der Tradition des Bauhauses oder des „International Style“ ist gebrochen durch rätselhafte Geheimnisse.

 

Pavillon / November, 130 x 105 cm, Öl / Leinwand 2018 © Jens Hausmann

Ausstellungseröffnung

Samstag, 2. 3. 2019, 16.30 Uhr

Begrüßung:
Sarah Heitkemper
(Vorsitzende)

Wissenschaftliche Einführung:
Robert Dämmig
(Galerie Alte Schule Ahrenshoop)

Jens Hausmann und sein Werk

Die Zeit scheint still zu stehen, nichts bewegt sich, die Szene ist menschenleer. Das erinnert an die lichterfüllte Verlassenheit eines Edward Hopper, den suspense eines Alfred Hitchcock. So durchsichtig die Häuser mit ihren Glaswänden sind, so viel verbergen sie doch, und so einladend die offenen Ein- und Durchgänge wirken, so bunkerhaft und abwehrend ist das zugleich.

 

Babel / Fragment Nr. 26, 60 x 40 cm, Öl / Leinwand 2018 © Jens Hausmann

 

Die Villen in der Nachfolge eines Ludwig Mies van der Rohe, Le Corbusier oder Richard Neutra sind Archetypen der Moderne, versehen mit ihren Pathosformeln: Flugdächer, Panoramafester und weite Terrassen mit Pools als Sinnbild vereinnahmter Natur; Glaswände alternieren mit geschlossenen, blockhaften Mauern. Es ist die Idee des Hauses als abstrakte Skulptur. Das Artifizielle der Situation wird betont durch Kunstwerke, die Hausmann gelegentlich einfügt. Hier wohnt der moderne, der „neue“ Mensch; die alte Welt, die er überwunden hat, ist auf einigen Bildern schemenhaft im Hintergrund zu erkennen.

 

Babe / Fragment Nr. 25, 60 x 40 cm, Öl / Leinwand 2018 © Jens Hausmann

 

Dem Formelhaften der Architektur setzt Hausmann seine Arbeitsweise entgegen. Zunächst überarbeitet er die in Magazinen oder dem Internet gefundenen – oder auch selbst fotografierten – Images am Computer, dann zeichnet oder aquarelliert er die Motive, um sich von der Foto-Ästhetik zu lösen, und überträgt sie freihändig auf die Leinwand. Der Pinselstrich beim Aufstreichen der Ölfarbe, oft in mehreren Schichten, gibt dem Bild sein Vibrato, lässt es atmen.

 

Babel / Fragment Nr. 27, 60 x 40 cm, Öl / Leinwand 2018 © Jens Hausmann

 

Manche Motive stammen aus Brasilien, wo Jens Hausmann sich häufiger aufhält; dort erlebt er den Anspruch der Moderne auf Totalität in zugespitzter Weise. Er beobachtet, wie die demokratische Grundidee der modernen Architektur der Demonstration von Macht, Reichtum und Luxus gewichen ist. Ein Zeichen dafür ist die Materialsichtigkeit des béton brut (Le Corbusier). Das wilde Wuchern der tropischen Pflanzen steht gegen das Bestreben des Menschen, die Welt einem bestimmten Konzept zu unterwerfen. Der alte Kampf Mensch vs. Natur findet hier ein neues Sinnbild.

Block, 210 x 155 cm – Öl / Leinwand 2018 (Privatsammlung K. Kaddelbach, Potsdam) © Jens Hausmann

 

Details wie tote Bäume oder Schutt von Abriss und Verwitterung, vor allem aber die Dämmerung, das Zwielicht deuten an, dass dieses Arkadien bedroht ist. Et in Arcadia ego, das Bildmotiv des Barock, das den Tod selbst in der romantischsten Paradies-Landschaft ansiedelt, erhält hier in eine zeitgenössische Form. Hausmanns Veduten sind, trotz oder gerade wegen der perfekt konstruierten Schönheit der Villen, zugleich Allegorien des Memento mori, der Vanitas – die Spiegel-Effekte der ausgedehnten Glas- und Wasserflächen unterstützen diesen Gedanken.
So sind die Architektur-Bilder von Jens Hausmann Reflexionen über Schönheit und Verfall, hoffnungsvolle Utopie und banale Realität, Fortschrittsgläubigkeit und skeptische Melancholie. www.busche-kunst.com

Impressionen der Vernissage

 

Sarah Heitkemper, 1. Reihe 2. von links Jens Hausmann

 

 

 

Sebastian Heiner, Jens Hausmann, Robert Dämmig (von links)